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07.05.2017

Neues Leben dank Spenderniere

Jeden Tag müssen Menschen sterben, da ihnen die Chance auf ein neues Leben durch ein Spenderorgan verwehrt bleibt. Fakt ist, dass es in Deutschland und auch in Baden-Württemberg zu wenige Organspender gibt. Also zu wenige Menschen erklären sich bereit, ihre Organe nach einem festgestellten Hirntod zu spenden. So haben statistisch nur 10,7 Menschen pro einer Millionen Einwohner in Baden-Württemberg einen Organspendenausweis. Somit ist Baden-Württemberg bundesweit das Bundesland mit der niedrigsten Bereitschaft zur Organspende (14,7 Menschen pro einer Millionen Einwohner).

Die Biologielehrerin der 8. Klassen Damaris Stapf will das Schicksal eines betroffenen Patienten für die Schülerinnen und Schüler greifbar und erlebbar werden lassen. Rudi Wartha, der mit einer Spenderniere in Lauda lebt, schildert für die Jugendlichen seine Geschichte.

Über Jahre hinweg war Rudi Wartha Dialysepatient, das bedeutet, dass er sich drei Mal pro Woche einer mehrstündigen Behandlung unterzog, in der sein Blut „gewaschen“ wurde, nachdem die Nieren diese Funktion selbst nicht mehr ausführen konnten. Jahrelang stand er auf der Warteliste für eine Spenderniere und nach einer großen Enttäuschung über eine nicht durchgeführte Transplantation, konnte ihm im November 2010 glücklich eine Niere in Heidelberg transplantiert werden.

Danach begann das Hoffen darauf, dass der Körper das Spenderorgan annimmt und nicht abstößt. Hierzu sind spezielle Medikamente erforderlich, die Rudi Wartha bis heute einnehmen muss. Diese Medikamente sind mit großen Nebenwirkungen verbunden, mit denen er noch heute zu kämpfen hat.

Aus eigener Erfahrung appelliert Rudi Wartha deshalb an die jungen Menschen sich aktiv und persönlich mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen und sich Gedanken hierüber zu machen. Anders als in Ländern wie z.B. Österreich, in denen die Widerspruchsregelung gilt und man einer Organspende ausdrücklich widersprechen muss, ist es in Deutschland notwendig, sich aktiv für eine Organspende auszusprechen. Dadurch ist die Wartezeit in diesen Ländern mit zwei Jahren deutlich geringer als in der Bundesrepublik Deutschland, in der die Wartezeit fünf bis acht Jahre beträgt. So verschlechtert sich der Gesundheitszustand der meisten Patienten in dieser Wartezeit meistens zunehmend und die Chance auf ein Spenderorgan bleibt ihnen verwehrt.

Hinweise über einen möglichen Organhandel oder die Befürchtung, dass einem Organspender aus medizinischer Sicht nicht ausreichend geholfen wird, um an seine Organe zu kommen, entkräftet Rudi Wartha mit dem Hinweis auf den hippokratischen Eid, den jeder Mediziner abzuleisten hat und die strenge Kontrolle und Feststellung des Hirntodes eines Organspenders. Dieser wird durch zwei unabhängige Mediziner festgestellt und auch nach der Entnahme wird mit dem Organspender pietätvoll umgegangen. Die Identität bleibt aus Rücksicht auf die Hinterbliebenen anonym. Rudi Wartha ist seinem Spender dankbar und feiert jedes Jahr seinen „zweiten Geburtstag“ und lässt hierzu im Andenken an ihn eine Messe lesen.

Am Ende hatten die Schülerinnen und Schüler noch die Möglichkeit direkt Fragen an Rudi Wartha zu stellen. Aus diesen kann geschlossen werden, dass die Jugendlichen sichtlich bewegt von seinem Schicksal und der Organspendenproblematik waren.