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Aus dem Leben von Franz v. Assisi

Franz wurde 1182 als Sohn des reichen Tuchhändlers Pietro Bernadone und seiner Frau Pica in Assisi geboren. Als Liebling seiner Eltern genießt er eine unbeschwerte Kindheit und Jugend und träumt davon, aufzusteigen und Ritter zu werden. Mit seinen Freunden feiert er rauschende Feste. Er ist fröhlich und freigiebig.

1198 kommt es zum Krieg zwischen den Bürgern der Stadt und den Adeligen um politischen Einfluss und Macht. Der kaiserliche Statthalter wird vertrieben, die Burg geschleift. Franz kämpft mit seinen Freunden um gesellschaftliche Freiheit und um gleiche Rechte für alle. Doch er gerät in Kriegsgefangenschaft, aus der er schwer krank heimkehrt. Die Frage, wer bin ich und wozu lebe ich lässt ihn nun nicht mehr los.

Franz nimmt sein altes Leben wieder auf, ist aber nachdenklicher und ernster geworden. Er zieht sich oft in die Höhlen in den Bergen zurück. In der Einsamkeit sucht er Antwort auf seine Fragen: "Wer bin ich?, Was soll ich tun?, Wozu lebe ich?" Jetzt wendet er sich an den höchsten Gott, von dem ihm seine Eltern erzählt haben. "Wer bist du Gott?, Was soll ich tun?"

Der höchste Gott führt ihn auf seiner langen Suche nach seinem eigenen Weg aber nicht zu Reichtum und Aufstieg, sondern hinab zu den Kleinsten in der Gesellschaft: Zu den Aussätzigen vor der Stadt. Sie leben ausgesetzt im Elend ihrer Krankheit, verachtet und gemieden. In ihren Augen, in ihren Umarmungen, in ihrer Dankbarkeit und in ihrer Versöhnungsbereitschaft entdeckt er Schwestern und Brüder und den Bruder aller Menschen: Jesus.

Im kleinen verfallenen Kirchlein San Damiano schaut Jesus ihn an, als Franz vor dem Kreuz betet, und er erkennt in seinen Augen die Augen der Brüder und Schwestern wieder. "Geh und baue meine Kirche wieder auf" hört er. Zunächst versteht er es wörtlich und baut das Kirchlein und andere Kapellen in der Umgebung auf. Später wird deutlich, Franz wird uns zeigen, wie wir eine geschwisterliche Kirche und eine geschwisterliche Welt aufbauen können, ja wie wir mit allen Geschöpfen als Schwestern und Brüder zusammenleben können: Indem wir achtsam und behutsam miteinander umgehen und demütig nicht nach unserem Vorteil, sondern nach dem suchen, was dem anderen gut tut. Das wird auch uns gut tun. Franz zieht eine kreuzförmige Kutte an, bettelt, pflegt Aussätzige, arbeitet bei Bauern, baut Kapellen auf und erzählt von diesem Gott, der die Menschen liebt. Zuerst verlachen und verspotten ihn die Leute, sie halten ihn für verrückt. Doch bald folgen ihm die ersten Freunde. In kurzer Zeit werden die minderen Brüder, wie sie sich nennen, zu einer großen Bewegung.

In der Gerichtsverhandlung, die sein Vater verlangt, nachdem er ihn vergeblich geschlagen und eingesperrt hat, um ihn zur Vernunft zu bringen, gibt Franz seine Kleider zurück und sagt: "Bis jetzt habe ich Pietro Bernadone meinen Vater genannt … in Zukunft will ich sagen: Vater unser im Himmel…" Verletzt, beschämt und wütend verflucht ihn sein Vater. Es kommt wahrscheinlich nicht zu einer Versöhnung der beiden. Liebe darf nicht festhalten und den anderen zwingen aus Sorge, sonst verliert sie ihn.

Auf seinem Weg, den Franz später als "Umkehr" und als "Leben in Buße" beschreibt, entdeckt er, dass Gott uns unendlich liebt. Er ist unser Vater, Jesus unser Bruder. Er entdeckt in den Bedürfnissen der Menschen, im fragenden Blick, in der bettelnden Hand, im Tun, das notwendig ist, im Streit um den richtigen Weg, in der eigenen Unruhe und Unzufriedenheit und in der Schönheit und im Gutsein der Geschöpfe, dass Gott zu ihm spricht und eine Antwort will. So merkt Franz, dass Leben hören und antworten ist. Wer aufmerksam wird und auf das achtet, was dem anderen gut tut, wer behutsam mit dem anderen umgeht, darf seine eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Erwartungen nicht in den Vordergrund stellen, muss sich von ihnen frei machen. So kann er hören, was dem anderen gut tut. Die anderen werden Schwestern, Brüder, Kinder des Vaters im Himmel. Es entstehen Verbundenheit und Gemeinschaft.

Zwei Jahre vor seinem Tod dichtet Franz den Lobgesang der Geschöpfe:

Der Sonnengesang

  1. Höchster, allmächtiger, guter Herr,
    dein sind der Lobpreis, die Herrlichkeit und Ehre
    und jeglicher Segen.
    Dir allein, Höchster, gebühren sie,
    und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.
  2. Gelobt seist du, mein Herr,
    mit allen deinen Geschöpfen,
    zumal dem Herrn Bruder Sonne;
    er ist der Tag, und du spendest uns das Licht durch ihn.
    Und schön ist er und strahlend in großem Glanz,
    dein Sinnbild, o Höchster.
  3. Gelobt seist du, mein Herr,
    durch Schwester Mond und die Sterne;
    am Himmel hast du sie gebildet,
    hell leuchtend und kostbar und schön.
  4. Gelobt seist du, mein Herr,
    durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken
    und heiteren Himmel und jegliches Wetter,
    durch das du deinen Geschöpfen den Unterhalt gibst.
  5. Gelobt seist du, mein Herr,
    durch Schwester Wasser,
    gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.
  6. Gelobt seist du, mein Herr,
    durch Bruder Feuer,
    durch das du die Nacht erleuchtest;
    und schön ist es und liebenswürdig und kraftvoll und stark.
  7. Gelobt seist du, mein Herr,
    durch unsere Schwester, Mutter Erde,
    die uns ernährt und lenkt
    und vielfältige Früchte hervorbringt
    und bunte Blumen und Kräuter.
  8. Gelobt seist du, mein Herr,
    durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
    und Krankheit ertragen und Drangsal.
    Selig jene, die solches ertragen in Frieden,
    denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt werden.
  9. Gelobt seist du, mein Herr,
    durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
    ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.
    Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben.
    Selig jene, die sich in deinem heiligsten Willen finden,
    denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.
  10. Lobt und preist meinen Herrn
    und sagt ihm Dank und dient ihm mit großer Demut.

(Quelle: Das Erbe eines Armen. Die Schriften des Franz von Assisi. Hrsg. von Leonhard Lehmann OFMCap. - Topos Plus, 2003)

Am 03.Oktober 1226 stirbt Franz im Kreis seiner Brüder nahe beim Kirchlein Portiunkula. Er verweist die Brüder nochmals auf das Hören: "Was ich tun konnte, habe ich getan; möge euch Christus lehren, was ihr tun sollt."

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